Auch Hakan Akgün, Co-Vorsitzender des Lenkungsausschusses und stellvertretender Generaldirektor für internationale Abkommen und Angelegenheiten der Europäischen Union im türkischen Handelsministerium, betonte die strategische Bedeutung: „Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Republik Türkei. Gerade in Zeiten geopolitischer Herausforderungen ist eine starke und verlässliche Partnerschaft zwischen deutschen und türkischen Unternehmen entscheidend. Das Programm Partnering in Business with Germany ist dabei ein zentraler Baustein, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und die Zusammenarbeit zwischen kleinen und mittleren Unternehmen zu stärken.“
Die enge wirtschaftliche Verflechtung beider Länder bildet dafür eine solide Grundlage. Deutschland ist wichtigster Handelspartner der Türkei und einer ihrer größten Investoren. Gleichzeitig ist die Türkei ein bedeutender Produktionsstandort für deutsche Unternehmen und eine strategische Brücke zwischen Europa und dem Nahen Osten. Über 8.000 deutsche Unternehmen sind dort aktiv. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen stiegen die türkischen Importe aus Deutschland von Januar bis Oktober 2025 um 11 Prozent auf 25 Milliarden US-Dollar. Besonders stark nachgefragt sind Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Maschinen, chemische Erzeugnisse sowie Elektrotechnik. Deutschland importiert im Gegenzug vor allem Textilien, Fahrzeuge, Maschinen und Nahrungsmittel aus der Türkei.
Konkrete Erfolge auf Unternehmensebene
Wie wirkungsvoll das Programm in der Praxis ist, zeigen aktuelle Beispiele teilnehmender Unternehmen. Cem Sinan Bayazit vom Unternehmen Element Proje AS gewann wertvolle Einblicke in deutsche Technologien zur industriellen Dekarbonisierung und sieht großes Potenzial für eine Zusammenarbeit. „Die Teilnahme am Programm ist eine große Chance für mich. Ich habe sowohl technisch als auch persönlich neue Perspektiven gewonnen und innovative Technologien kennengelernt. Besonders im Bereich der industriellen Dekarbonisierung konnte ich wichtige Impulse mitnehmen.“
Auch Ömer Faruk Özdemir, Business Development Manager von KAAF, eines türkischen Herstellers batteriebetriebener Rangierlokomotiven, nutze das Programm gezielt zur Anbahnung neuer Partnerschaften. Sein Unternehmen bereitet den Eintritt in den deutschen Markt vor und plant perspektivisch den Aufbau eines eigenen Standorts. „Wir haben wertvolle Verbindungen zu deutschen Unternehmen aufgebaut und konkrete Möglichkeiten für zukünftige Kooperationen identifiziert. Gleichzeitig haben wir ein tieferes Verständnis für die deutsche Geschäftskultur und neue Fördermöglichkeiten für gemeinsame Projekte gewonnen“, resümierte Özdemir.
Weiterentwicklung mit Blick nach vorn
Neben den positiven Ergebnissen wurden auch Verbesserungsmöglichkeiten benannt. Dazu zählen insbesondere ein noch strukturierteres Matchmaking türkischer und deutscher Unternehmensvertreterinnen und -vertretern, eine flexiblere Gestaltung des Programmformats sowie eine stärkere Einbindung von Frauen. Ausdrücklich hervorgehoben wurde die Bedeutung einer passgenauen Zielgruppe in der Türkei für das Programm: Es handelt sich überwiegend um erfahrene Führungskräfte aus mittelständischen Unternehmen. Für das Jahr 2026 ist zudem eine stärkere inhaltliche Fokussierung vorgesehen. Erstmals finden sektorspezifische Gruppen in den Bereichen Industrie 4.0 sowie Kreislaufwirtschaft und erneuerbare Energien statt. Auch für die folgenden Jahre sind Gruppen mit thematischen oder Branchenfokus geplant. Damit reagiert das Programm auf aktuelle wirtschaftliche Transformationsprozesse und eröffnet zusätzliche Chancen für Innovation und Kooperation.
Foto: @BMWE, Steffen Goldacker